Carlanca

G E M E I N S A M   K Ö N N E N   W I R   C A R L A N C A S   L E I D E N S Z E I T   B E E N D E N 

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Tierschutzfreunde!

Sie alle wissen, dass „Suris Stiftung“ für mich nicht nur ein beliebiges Tierschutzprojekt ist, das ich im Sommer 2014 ins Leben gerufen habe. „Suris Stiftung“ ist für mich zu einer Herzensangelegenheit geworden, die ich selbstverständlich nur durch Ihre Hilfe und Ihren Beistand verwirklichen konnte. Bisher haben wir gemeinsam 40 Hunden den Weg in ein neues Leben ermöglichen können. Jeder einzelne brachte seine eigene Geschichte mit, sein Leben bevor die rettende Hand des Tierschutzes sich schützend über ihn legte. Die meisten dieser Geschichten sind vollkommen unterschiedlich. Manche aber ähneln sich auch. Doch am Ende gleicht keine Geschichte der anderen. Sie sind individuell und einzigartig. So, wie die Hunde, die sie erlebt haben. Eines jedoch haben sie alle gemeinsam. Sie haben den Weg in mein Herz gefunden.
Ich möchte Ihnen heute von Carlanca erzählen. Auch ihr Weg führte mitten in mein Herz, als wir uns im Sommer 2015 begegneten. Die traurige Lebensgeschichte dieser andalusischen Hündin berührte mich so sehr, dass sie mich bis heute nicht mehr losgelassen hat:
Carlanca lebte seit ihrer Geburt in Albacete bei einem Hirten. Er empfand für sie keine Zuneigung, keine Liebe, sie war für ihn eine Notwendigkeit, ein Gebrauchsgegenstand, den er „benutzte“, wenn er es für nötig hielt. Er lebte mit seinen Schafen in einer sogenannten „Nave“, was man hierzulande mit einer Großmarkthalle vergleichen könnte. Carlanca aber musste draußen leben. Ohne jeglichen Schutz setzte er sie der Kälte, dem Regen und im Sommer der unerträglichen südspanischen Sonne aus. Eine streichelnde, liebevolle Hand hatte Carlanca in ihrem ganzen Leben nicht kennengelernt. Der Hirte trat nach ihr, wenn sie ihm im Weg lag oder schüttete das schmutzige Trinkwasser seiner Schafe hinter ihr her. Unvorstellbar grausam war das Rohr, das er ihr eng um den Hals gelegt hatte, sodass sie sich kaum noch bewegen konnte. Mehr als ein Jahr musste sie diese schmerzhafte Last ertragen. Dann fiel sie zwei andalusischen Tierschützern auf, die an dem Grundstück des Hirten vorbeikamen. Carlanca litt furchtbar, sie wurde gequält von Zecken und Flöhen, die ihren ganzen Körper befallen hatten. Hilflos war sie dieser Pein ausgesetzt. Denn das Rohr verhinderte, dass sie sich kratzen oder beißen konnte.
Den Tierschützern aus Albacete war sofort klar, Carlanca helfen zu müssen. Sie wollten sie einfangen und von dem furchtbaren Rohr befreien. Aber Carlanca kannte keine fremden Menschen. Sie war so scheu und so voller Panik, dass niemand an sie herankam. Und so informierten sie den Verein ERA RESCATES aus Madrid, zu dem auch Nuria Sanchez-Escribano gehört, eine Tierschützerin, die sich auf das Einfangen von ängstlichen Hunden spezialisiert hat. Nuria machte sich wenige Tage später auf die Reise in das 400 km entfernte Albacete. Aber der Hirte hatte in der Zwischenzeit mitbekommen, dass die hiesigen Tierschützer der Hündin helfen wollten. Als Nuria in dem kleinen Ort ankam, hatte er Carlanca bereits in seiner Halle hinter den Schafen in einen kleinen Käfig gesperrt. Dieser war so eng, dass sie sich weder wenden noch aufrichten konnte. Nuria konnte sie nur durch einen Spalt im Oberlicht sehen, aber sie hatte keine Chance, an die Hündin heranzukommen. Und so blieb ihr keine andere Wahl, als am Abend unverrichteter Dinge wieder zurück nach Madrid zu fahren.
Die Leidenszeit für Carlanca ging weiter. Aber ihre Geschichte ließ Nuria nicht los. Der Anblick der Hündin habe ihr das Herz zerrissen, erzählte sie später in einem Brief. Tagein, tagaus quälte sie die Erinnerung an das Erlebte, die Erinnerung daran, wie die Hündin – regelrecht eingequetscht in dem engen Käfig - das einschnürende Rohr um ihren Hals ertrug und unsagbar litt. Und so machte sich Nuria trotz aller Zweifel, die Hündin dieses Mal retten zu können, erneut auf den Weg in das weit entfernte andalusische Dorf.
Fest entschlossen, der Hündin zu helfen, gelang es ihr, Carlanca im Morgengrauen mit einer sogenannten Lebendfalle, die sie direkt auf dem Grundstück des Hirten aufgestellt hatte, einzufangen. Es war eine mutige und sehr couragierte Aktion, denn der Hirte hätte jederzeit aus dem Gebäude kommen können.
„Ich musste Carlanca so schnell wie möglich in Sicherheit bringen“, schrieb Nuria später. „Es blieb keine Zeit zu versuchen, dieses Folterinstrument um ihren Hals zu entfernen, ohne Gefahr zu laufen, vom Hirten entdeckt zu werden. Und so fuhr ich umgehend – mit Carlanca in der Lebendfalle - zurück nach Madrid, wo ich dann die ALBA um ihre Unterstützung und Hilfe bat.“
Da Carlanca sich von niemandem anfassen ließ, wäre es Nuria ohnehin nicht möglich gewesen, sie von dem Rohr zu befreien. Im Tierheim der ALBA musste Manolo, der Tierarzt, die Hündin in Narkose legen, um ihr das Rohr abzunehmen.

Liebe Leserinnen und Leser, das alles ereignete sich im April 2015. Im darauffolgenden Juli wollte ich Carlanca durch „Suris Stiftung“ nach Deutschland holen, um ihr ein Leben in einer Familie zu ermöglichen. Aber es war undenkbar. Carlanca ließ immer noch niemanden an sich heran. Ihr ganzes Leben lang hatte sie bei dem Hirten gelebt, der immer nur grob und brutal mit ihr umgegangen war, und vor dem sie große Angst hatte. Andere Menschen kannte sie nicht. Es war unmöglich, sie anzufassen oder ihr ein Halsband beziehungsweise ein Geschirr anzulegen. Sobald eine Hand auch nur in die Nähe ihres Halsbereiches kam, zitterte ihr ganzer Körper, und sie drohte aus tiefer Angst.
Carlanca musste also im Tierheim in Madrid bleiben. Aber es war mir nicht möglich, sie einfach zu vergessen. Ich übernahm die Patenschaft für sie, damit wenigstens finanziell für sie gesorgt war, und zwei ehrenamtliche Helferinnen der ALBA versuchen seitdem ihr Bestes, das Vertrauen der völlig verängstigten Hündin zu gewinnen. Zweimal in der Woche besuchen sie Carlanca und setzen sich eine Weile einfach nur zu ihr in den Zwinger. Diese Vorgehensweise erzielt auch durchaus kleine Erfolge. Aber es reicht nicht. Carlanca zieht sich mehr und mehr zurück, verweigert den Kontakt zu den Menschen und vereinsamt vor unseren Augen in einem dunklen Tierheimzwinger.
Im Dezember war mir dann klar, dass etwas passieren musste. Ich fasste den Entschluss, einen zweiten Anlauf zu nehmen, um ihr dieses Mal nachhaltig zu helfen. Ich fühlte mich seit dem Sommer verantwortlich für Carlanca und ich wollte nicht länger dabei zusehen, wie diese junge Hündin mehr und mehr in ihrer Angst gefangen wurde und sie nur noch vor sich hin vegetieren konnte.
Und so suchte ich nach Möglichkeiten, die es eigentlich nicht gab, ich suchte nach dem Unmöglichen. Aber ich gab nicht auf. Diesmal musste es einfach klappen. Ich setzte mich mit Jutta Grohall, unserer deutschen Freundin im ALBA-Tierheim in Verbindung und bat um neue Fotos von Carlanca und einen Bericht ihrer derzeitigen Entwicklung. Ich schilderte auch mein Vorhaben, von dem ich zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht wusste, wie es aussehen sollte. Denn eines war mir absolut klar: Carlanca war keine Hündin, die in irgendeine Pflegestelle hätte gegeben werden können. Sie brauchte Menschen, die sich mit „Angsthunden“ auskennen, die genau wissen, wie sie sich ihr und ihren Ängsten gegenüber verhalten müssen. Und zu diesen Menschen brauchte sie dauerhaften Kontakt, ein Zusammensein rund um die Uhr. Ein Tierheim konnte keineswegs die Lösung sein. Im Idealfall – so war ich überzeugt – müsste in meiner „fachlich ausgebildeten Wunschfamilie“ auch noch ein souveräner Hund vorhanden sein, an dem Carlanca Sicherheit und Orientierung finden könnte. Denn abgesehen von ihren Ängsten war ihr die ganze Welt unbekannt. Das gesamte Leben war ihr fremd. Und so lange sie kein Vertrauen zu einem Menschen aufbauen könnte, würden alle weiteren Maßnahmen zum Scheitern verurteilt sein.
Jutta fragte mich also nicht zu Unrecht mit einer gewissen Skepsis in der Stimme, wie ich mir das alles vorstellen würde. Aber auch sie ist Tierschützerin „durch und durch“ und wartete nicht wirklich auf eine Antwort, sondern sagte: „Nun ja, kommt Zeit, kommt Rat.“ Und genauso kam es dann auch. Kurz vor Weihnachten schickte mir der Himmel einen Gedanken, der eigentlich sehr nahe lag, auf den ich aber bisher nicht gekommen war:
Im November hatte ich von Nuria Sanchez-Escribano gehört, dass sie gemeinsam mit einer befreundeten Tierschützerin, Marivi Mondola, ein sogenanntes „Hunde-Haus“ in Madrid gegründet hatte, in dem sie gemeinsam mit Hundepsychologen und Tierärzten Hunde betreuen, die unter starken Ängsten leiden und aus ihrem Trauma befreit werden müssen. Nuria hatte mir in einem Brief davon erzählt und mir auch die Adresse ihrer Website geschickt. Ich sah mir ihr Konzept im Internet an und war begeistert. Gemeinsam mit den zu betreuenden Hunden leben sie und Marivi dauerhaft in diesem Haus. Mitten in einem Land, in dem Hunde überhaupt keinen Wert haben, bieten die beiden Frauen dieser verachtenswerten Haltung die Stirn und setzen sich für die von Menschenhand zerstörten Seelen ein, um ihnen eine Chance auf ein neues Leben zu ermöglichen.
Ich nahm also wieder Kontakt mit Jutta auf. Auch sie war sofort von dem Konzept der beiden Frauen fasziniert. Und nachdem sie und Carolina, die 1.Vorsitzende der ALBA, sich vor Ort von der Einrichtung ein umfassendes Bild gemacht hatten, waren sie nicht nur begeistert von dem Konzept dieser Institution, sondern auch ganz sicher, dass es die richtige Entscheidung sei, Carlanca in die Obhut Nurias und Marivis zu geben.
Natürlich trägt sich so eine Einrichtung finanziell nicht von allein und ist auf entsprechende Einnahmen angewiesen. Monatlich kommen nun Kosten in Höhe von 175 Euro auf „Suris Stiftung“ zu. Ich weiß nicht, wie lange Carlanca dort bleiben muss, bis wir sie ins „normale“ Leben „entlassen“ können. Niemand kann es zum jetzigen Zeitpunkt sagen. Wir rechnen mit ungefähr 6 bis 8 Monaten. Vielleicht wird es sogar noch länger dauern. Aber eines ist sicher: Es ist ihre einzige Chance, den Rest ihres noch jungen Lebens wirklich „erleben“ zu können.
Liebe Leserinnen und Leser, Carlanca hat den Weg in mein Herz gefunden. Gemeinsam könnten wir es schaffen, ihr auch den Weg in ein normales, glückliches Hundeleben zu ebnen. Vielleicht hat sie ja dann irgendwann sogar das Glück, dass sie von einer Familie unseres Leserkreises adoptiert wird und ihre Geschichte mitten unter uns weitergeht. Bis dahin aber hoffe ich sehr, dass wir es schaffen, ihr den Aufenthalt bei Nuria und Marivi für einige Monate zu ermöglichen, damit ihre geschundene Seele in Ruhe gesunden kann.

Seien Sie alle herzlichst gegrüßt von Ihrer

Beate Rost

Wenn Sie Carlanca helfen möchten, überweisen Sie bitte Ihre Spende mit dem Verwendungszweck „Suris Stiftung – Carlanca“ auf folgendes Konto:

Beate Rost, IBAN: DE73 1007 0024 0335 0147 00 / BIC: DEUTDEDBBER


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Wenn Sie möchten, können Sie sich unter folgenden Links einige Videosequenzen ansehen ansehen:



Video Carlanca 1

Dieses Rohr legte der Hirte ihr um den Hals. So musste sie viele Monate lang leben:

https://www.youtube.com/watch?v=RsIRkdr7K-U


Video Carlanca 2

Die Tierschützer aus Andalusien versuchten vergebens, Carlanca einzufangen.

https://www.youtube.com/watch?v=agDPMIwKGic


Video Carlanca 3

Carlanca im Tierheim der ALBA. Sie lässt niemanden an sich heran.

https://www.youtube.com/watch?v=0bMAZShKPPc



Video Carlanca 4

Carlanca macht dank der ehrenamtlichen Helferinnen kleine Fortschritte

https://www.youtube.com/watch?v=kYnkL2kPRDU