Chab

H E R Z E N S H U N D   " C H A B " 


Chab ist mit seinen fast 15 Jahren ein alter Huskymann. Sein Blick ist mit den Jahren trüb geworden und die Welt um ihn herum fast leise. Steif in seinen Knochen geht er daher, und während er vorsichtig dahin schreitet, drücken sich seine Rippen spitz durch das raue Fell.
Als man Chab fand, saß er bereits zwei Tage lang neben seinem toten Herrchen. Er hätte das Haus an der Havel verlassen können. Die Tür zum Garten war nicht versperrt. Aber er ging nicht. Er blieb. Er hielt seinem toten Herrn die Treue.
Als die erwachsenen Kinder des Verstorbenen ihren Vater fanden, schoben sie Chab in die Garage ab. In einem späteren Brief der Tochter hieß es: „Da wir derzeit das Haus ausräumen, lebt der Hund, wenn wir nicht vor Ort sind, in der Garage. Diese ist sehr groß, sodass er sich nach wie vor recht frei bewegen kann, dennoch möchten wir ihm diese Art zu leben nicht dauerhaft zumuten und sind auf schnelle Hilfe angewiesen.“
Weder die Tochter noch der Sohn sahen darin ein Unrecht. Sie waren davon überzeugt, dass Chab sich in ihren Wohnungen nicht wohlfühlen würde. Und so ließen sie den völlig verstörten, schreckhaften und alten Hund mutterseelenallein in der Garage zurück.

Als ich von ihm erfuhr, lebte der alte Chab bereits zwei Monate in der Garage. Einmal am Tag wurde er von den Nachbarn versorgt. Seine Geschichte berührte mich zutiefst und der menschliche Egoismus der handelnden Personen zeigte mir einmal mehr, zu welchen verabscheuungswürdigen Taten der Mensch in der Lage ist. Aber so beschämend diese Geschichte auch für mich ist, sie gibt mir meine Kraft und meine Zuversicht zurück. Denn der alte Chab tauchte genau zu dem Zeitpunkt in meinem Leben auf, als ich mit dem Gedanken spielte, mit dem Tierschutz gänzlich aufzuhören und "Suris Stiftung" zu beenden. Die Enttäuschung, die ich durch die Trennung vom Tierheim Paderborn nach 12 Jahren erfahren musste, saß tief und war sehr schmerzhaft. Durch Chabs Auftauchen habe ich den Gedanken des Aufhörens gar nicht erst zu Ende denken können. Mir wurde klar, dass er nur einer von vielen alten und namenlosen Hunden ist, die irgendwo abgeschoben und einsam darauf warten, gefunden und wieder geliebt zu werden. Überall da draußen warten diese Tiere, deren Schutz wir uns verschrieben haben, auf unsere Hilfe. Und so wage ich mit Chab an meiner Seite einen neuen Start. Ich musste mich von Menschen trennen, aber ich werde neue kennenlernen. Mit gebündelten Kräften werden wir wieder eine Allianz der Hoffnung schaffen, ein Bündnis, das der Ungerechtigkeit gegenüber den Tieren die Stirn zeigt.

In diesem Sinn ist Chab genau zum richtigen Zeitpunkt in mein Leben getreten, um mir genau das zu übermitteln.

Liebe Tierschutzfreunde, Chab wartet seit dem 14. Mai 2016 im „Tierschutzliga-Dorf“ auf einen Menschen, der ihm trotz seines Alters und trotz seiner Gebrechen noch einmal die Chance auf ein richtiges Zuhause gibt, in dem er umsorgt und geliebt wird. „Suris Stiftung“ wird bis dahin für Futter, Medikamente und Pflege aufkommen.

Sollten Sie ihn besuchen wollen, um ihm nach einem näheren Kennenlernen vielleicht ein Zuhause für immer zu geben, dann finden Sie ihn im Tierschutzliga-Dorf in Neuhausen/Spree.

http://www.tierschutzligadorf.de/

Ich danke an dieser Stelle Heike Otter von der Nothilfe Polarhunde Nord, Sabine Otto von der Hundehilfe Polen und insbesondere Dr. Annett Stange vom Tierschutzliga-Dorf, die ohne zu zögern bereit war, den alten Hund auf meine Anfrage hin aufzunehmen.

Telefon Dr. Annett Stange: 035608-41695