Olga und Paula


Traurig saßen sie da, als ich ihren Freilauf betrat. Sie beachteten mich nicht, nahmen keinerlei Notiz von mir. Ihre Blicke fixierten einen unsichtbaren Punkt auf dem Boden. „Hey, Ihr zwei!“, sprach ich sie mit weicher Stimme an und hockte mich zu ihnen.
Paula wich ein wenig zurück, wendete ihren Kopf ab. Sie wollte nichts mit mir zu tun haben. Sie trauerte, weinte und wartete. Olga war ein bisschen interessierter als ihre Schwester. Sie versuchte unauffällig, einen Blick zu von mir zu erhaschen. Nur aus dem Augenwinkel heraus, es sollte wohl nicht auffallen.
Der Anblick dieser beiden Hunde zerriss mir das Herz. Sie hatten einen Tag zuvor alles verloren, was ihr Leben bisher ausgemacht hatte. Im Grunde war das nicht viel, und doch war es ihr Leben:
Vor fünf Jahren hatte man sie auf einem Campingplatz auf der Insel Korsika gefunden. Damals waren sie circa drei Monate alt. Süße kleine Fellkügelchen, die das Herz ihrer beiden Finder im Nu erobert hatten. Sie taten alles dafür, die beiden mit nach Deutschland nehmen zu können. Daheim aber verflog die anfängliche „Urlaubs-Euphorie“ schnell und der Alltag kehrte zurück. Die vermeintlich vorhanden gewesene Tierliebe stieß bald an ihre Grenzen und das Paar merkte schnell, dass es die Verantwortung für zwei Leben bei weitem unterschätzt hatte und die beiden heranwachsenden „Fellkügelchen“ Zeit, Zuwendung, Beschäftigung und Liebe brauchten. Ein schwieriges Unterfangen. Man hatte neben der Arbeit schließlich noch andere Verpflichtungen. Da waren die Freunde, mit denen man etwas unternehmen wollte. Man ging ins Kino, ins Theater, oder zum Essen aus. Genau genommen passten die Hunde gar nicht in ihr Leben. Aber nun hatte man sie mitgebracht und konnte sich der Verantwortung nicht entziehen. Also regelte man für Olga und Paula den Ablauf ihrer Tage, Wochen, Monate, Jahre. Man brachte sie vor der Arbeit in eine Tagesstätte für Hunde und holte sie 10 Stunden später dort wieder ab. An den Abenden hatten die beiden Hündinnen gelernt, des Öfteren auch allein zu Hause zu bleiben.
Drei Jahre wurden Olga und Paula auf diese Weise „verwahrt“. Dann trennte sich das Ehepaar und die finanzielle Situation wurde komplizierter. Olga und Paula blieben bei ihrer Besitzerin. Obwohl sie das Geld allein kaum aufbringen konnte, brachte sie die beiden weiterhin täglich morgens in die Hundetagesstätte und holte sie abends wieder ab. Tagein, tagaus. Woche um Woche, Monat für Monat, weitere zwei Jahre.
Dann erkrankte die Frau schwer. Die Kosten für den Platz in der Hundetagesstätte konnte sie schon bald nicht mehr aufbringen. Gemeinsam mit ihrem ehemaligen Partner entschied sie sich dazu, die Hunde jetzt - nach nunmehr 5 Jahren - abzugeben.

Wenige Tage bevor man Olga und Paula in den Franziskushof brachte, telefonierte ich mit dem ehemaligen Lebensgefährten der Besitzerin, da es ihr selbst - bedingt durch ihre Krankheit - unmöglich war, mit mir zu sprechen. Sein Urlaub stand kurz bevor und nun suchte er schnellstmöglich nach einem Tierheim, das die beiden noch vor seiner Reise aufnehmen würde.
Er sagte, Olga und Paula seien mit anderen Hunden sehr gut verträglich. In der Hundetagesstätte seien sie immer in der Gruppe gelaufen. Auch auf den Spaziergängen haben sie sich anderen Hunden beiderlei Geschlechts gegenüber jederzeit aufgeschlossen gezeigt und sich über neue Kontakte immer sehr gefreut. Beide Hündinnen seien kerngesund, gechipt, kastriert und regelmäßig geimpft. Sie seien stubenrein und könnten durchaus mehrere Stunden alleine zu Hause bleiben. Sie führen problemlos Auto, liebten ausgedehnte Spaziergänge, bei denen sie leidenschaftlich gern schnüffelten. Olga liebe darüber hinaus das Wasser und „Baden gehen“. Beide hätten Jagdtrieb, der aber bei Paula ausgeprägter sei. Insgesamt seien sie aber ruhige und gelassene Hunde, die er sogar als geduldig bezeichnen möchte. Selbst Gewitter oder Silvesterfeuerwerk würde ihnen nichts ausmachen. Sie seien nicht verwöhnt, sie haben sich an einige "Regeln", die er und seine frühere Lebensgefährtin aufgestellt hatten, immer halten müssen; so seien bestimmte Bereiche im Wohnzimmer oder beispielsweise die Schlafbereiche im Obergeschoss des Hauses immer tabu gewesen. Sie mögen wohl den Bezug zum Menschen, er würde sie aber keinesfalls als "anhänglich" bezeichnen. Eine Abgabe der Hunde sehe er als unproblematisch, sie freundeten sich schnell mit anderen Personen an und bauten dann wieder eine neue Beziehung auf.

Liebe Tierschutzfreunde, ich möchte den Bericht des ehemaligen Besitzers von Olga und Paula nicht kommentieren. Aber ich bin ziemlich sicher, dass auch meine Hunde nicht sonderlich „anhänglich“ wären, würde ich sie nur zum Schlafen nach Hause holen und ihnen dann noch die Regel aufstellen, dass sie in meinem Schlafbereich nichts verloren haben.
Ich habe die beiden Hündinnen kennengelernt. Sie sind nicht nur wunderschön, sondern auch herzallerliebst. Ich bin ganz sicher, dass die beiden eine sehr enge Bindung zu ihren Menschen eingehen werden, vorausgesetzt man gibt ihnen die Chance dazu.

Olga und Paula warten seit dem 16. Juli im Franziskushof in Kalletal auf Menschen, die ihnen ein Zuhause in Liebe und Geborgenheit schenken, aber vor allem auch bereit sind, ihnen einen Platz in ihren Herzen einzuräumen.
Bis dahin wird „Suris Stiftung“ für die Versorgung der beiden aufkommen.

http://www.franziskushof-tierschutzverein.de

Kontakt zu Susanne Häger (1.Vorsitzende des Franziskushofes): Telefon: +49 (0) 5264 5374