Unusana

M E I N E   H E R Z E N S H Ü N D I N   " U N U - S A N A " 

Unu-Sana. Ein ungewöhnlicher Name für eine Hündin. In der Übersetzung bedeutet er: „die Wissende“, „die Kluge“ und „die Lebensfreudige“.
Unu-Sana trägt ihren Namen zu Recht. Denn nur durch ihr Handeln konnten zwölf Welpen und ihre Mutter vor dem sicheren Tod in der Perrera von Guadaljara gerettet werden.
Aber Unu-Sanas Geschichte beginnt viel früher, sie beginnt zu einer Zeit, in der sie noch gar nicht geboren worden war. Und genau da will ich anfangen, ihre Geschichte zu erzählen:
Unu-Sanas Mutter, die den Namen „Usana“ trägt, gehörte einem spanischen Schäfer. Gemeinsam mit ihm und seiner Herde lebte sie viele Jahre lang in Cabanillas del Campo in der Gegend von Guadalajara 60 km nordöstlich von Madrid. Tag und Nacht war sie draußen bei den Schafen und beschützte die Herde. Ein anderes Leben kannte sie nicht. Sie war noch ein Welpe, als der Schäfer sie mit auf die Weide brachte. Seither war das Leben da draußen bei den Schafen und dem Hirten ihr Leben.
Wenn der Schäfer sich auf den Weg ins Dorf oder in die nächstgelegene Stadt machte, blieb sie allein bei der Herde zurück. Sie lag während seiner Abwesenheit immer auf einem kleinen Hügel, etwas oberhalb der Weide und wartete auf seine Rückkehr. So war sie es gewohnt. Es beunruhigte sie auch nicht, wenn der Schäfer mehrere Tage fortblieb. Wasser war immer genug in den Tränken der Schafe vorhanden und mit dem bohrenden Hunger hatte sie gelernt zu leben.
Als Usana fünf Jahre alt war, veränderte sich alles. Tiertransporter kamen eines frühen Morgens den steinigen Weg zur Weide heraufgefahren. Mehrere Männer stiegen aus den Lastwagen aus und öffneten die Laderampen. Usana sprang auf und stellte sich warnend vor die Gatter, in denen die Schafe während der Nacht eingesperrt waren. Aber der Schäfer griff nach ihr und zerrte sie in einen Käfig, in dem er auch die Lämmer zeitweise eingesperrt hatte. So war sie machtlos und musste mit ansehen, wie die Schafe in die Transporter verladen und abtransportiert wurden. Als alle fort waren, packte auch der Schäfer seine Sachen zusammen. Er öffnete den Käfig und verließ die Weide ohne ein Wort des Abschieds.
Usana lag viele Tage und Wochen auf dem kleinen Hügel und wartete auf seine Rückkehr. Aber der Schäfer kam nicht mehr. Er hatte seine treue Gefährtin längst vergessen.
So vergingen die Monate. Usana war auf sich allein gestellt. Hin und wieder legte ihr eine alte Frau Essensreste an den steinigen Weg, der zur Weide führte. Ansonsten kümmerte sich niemand um die einsame Hündin.
Als Usana ein Jahr lang allein in Guadalajara lebte, schenkte sie acht Welpen das Leben. Allen Widrigkeiten zum Trotz, brachte sie alle durch. Die Kleinen wuchsen heran und gingen eines Tages ihrer eigenen Wege, einer nach dem anderen. Nur eines ihrer Kinder blieb an ihrer Seite: ihre Tochter Unu-Sana. Sie blieb bei ihrer Mutter und half ihr schließlich, den nächsten und übernächsten Wurf aufzuziehen. Gemeinsam kümmerten sie sich um die Welpen, die Unu-Sanas Halbgeschwister waren.
Unu-Sana war ungefähr 8 bis 9 Monate alt, als ein Dorfbewohner auf die Hunde aufmerksam wurde. Er hatte das Land gekauft und wollte die Hunde schnellstmöglich loswerden. Er benachrichtigte die städtische Perrera. Usana sollte mit ihrem jüngsten Wurf und ihrer Tochter Unu-Sana eingefangen und getötet werden. Von diesem traurigen Plan erfuhr im letzten Moment die Tierschutzstiftung „Sol Guadalajara“. Sie benachrichtigten Nuria Sanchez und Mariví Mondolo, die den meisten von Ihnen bereits aus Carlancas Geschichte bekannt sind. Mariví Mondolo fuhr umgehend nach Guadalajara, um die beiden Hündinnen und die Welpen mit einer Lebendfalle einzufangen. Bis zum Eintreffen der staatlichen Mitarbeiter der Perrera hatte sie noch genau einen Tag lang Zeit, um alle Hunde in Sicherheit zu bringen.
Nachdem Mariví die Lebendfalle aufgebaut und mit Decken und Futter ausgestattet hatte, zog sie sich selbst in ein Versteck zurück, um zu warten. Sie hatte keine andere Wahl. Denn die Welpen, die zu diesem Zeitpunkt gerade mal 2 Wochen alt waren und die sie eigentlich als Lockmittel in die Falle legen wollte, wurden von den beiden Hündinnen nicht einen Moment lang aus den Augen gelassen, sodass Mariví keine Chance hatte, an sie heranzukommen.
Nach Stunden des Wartens war Mariví den Tränen nah. Die Hoffnung, dass die beiden Hündinnen sich durch das stark riechende Futter in die Falle locken ließen, schwand mehr und mehr, und die Angst, die beiden zusammen mit ihren 12 Welpen der staatlichen Perrera überlassen zu müssen, brach Mariví fast das Herz.

Es war kurz vor Sonnenaufgang, als etwas Unglaubliches geschah: Nur wenige Stunden bevor die Hundefänger aus Guadalajara kommen sollten, traute Mariví ihren Augen nicht. Unu-Sana wurde zu ihrer Verbündeten. Sie machte genau das, war Mariví ursprünglich geplant hatte. Sie trug Welpe für Welpe auf die Decke in der Lebendfalle und legte sich schließlich zu ihnen.
Mariví hielt die Schnur, mit der sie die Tür der Falle zuziehen konnte, fest in ihrer Hand. Ihr Herz schlug bis zum Hals. 15 Minuten vergingen, als endlich auch Usana auftauchte und misstrauisch den Käfig beäugte, in den sich ihre Familie zurückgezogen hatte. Nervös und angespannt lief sie um die Falle herum. Immer wieder lugte sie durch die Tür ins Innere, wagte aber keinen Schritt hinein. Mariví blieb still in ihrer Deckung, das Ende der Zugschnurr fest in der Hand. Und dann kam der Augenblick, der Usana und ihren Kindern das Leben retten sollte. Sie witterte den Pansen, den Mariví am Abend zuvor in die Falle gelegt hatte. Usana hob die Nase und setzte zwei Schritt voran. Mariví zog mit einem Ruck an der Schnur und die Tür fiel ins Schloss.

Viel später schrieb Mariví in einem Brief, dass sie in diesem Augenblick weinen musste. Es seien Tränen des Glücks und der Erleichterung gewesen. Aber auch Tränen der Liebe, die sie seit jener Nacht für eine Hündin empfindet, die offenbar ahnte, dass das Schicksal ihrer Geschwister von ihrem Mut abhängig gewesen war. Unu-Sana hat durch ihr Handeln 12 Welpen, ihrer Mutter und sich selbst das Leben gerettet. Ihr ist es zu verdanken, dass die Welpen in der Obhut ihrer Mutter bei freiwilligen Helfern der Stiftung SOL GUADALAJARA aufwachsen und in liebevolle Familien vermittelt werden konnten.
Unu-Sana selbst aber sitzt seit jener Nacht im Sommer 2014 in der hinteren Ecke eines dunklen Tierheim-Zwingers. Angst beherrscht ihre junge Seele. Sie wurde in Freiheit geboren. Der Mensch gehörte nie in ihre Welt. Auf ihn wurde sie nie sozialisiert. Aber er nahm ihr alles, was ihr Leben ausmachte: Ihre Freiheit in Cabanillas del Campo.

Als ich dieser wunderschönen Hündin durch eine unerwartete Schicksalswendung meines eigenen Lebensweges begegnete, beschäftigte ich mich gerade mit dem Gedanken, mich gänzlich aus dem Tierschutz zurückzuziehen. Aber als ich dann in die angsterfüllten Augen Unu-Sanas sah, wusste ich, dass uns beide etwas verbindet. In diesem Augenblick musste ich an ein Zitat von Mahatma Gandhi denken. Er sagte einmal: „Liebe ist die stärkste Macht der Welt, und doch ist sie die demütigste, die man sich vorstellen kann.“
Ich versprach ihr, zu bleiben. Und gab ihr mein Wort, ihr zu helfen.

Unu-Sana lebt seit dem 4. Mai 2016 im „Hunde-Haus“ von Nuria Sanchez-Escribano und Marivi Mondolo in Madrid, Seite an Seite mit unserer Carlancita, die ihr trauriges Leben nun fast hinter sich gelassen hat und im Spätsommer in eine Pflegestelle nach Deutschland in die Nähe von Kiel ziehen wird.
Auch für „Unu-Sana“ wünsche ich mir von ganzem Herzen, dass wir ihr gemeinsam die Chance geben, im „Hunde-Haus“ fehlendes Vertrauen aufbauen zu können und ihr so die Basis für ein angstfreies Leben schaffen.


Liebe Leserinnen und Leser, auf „Suris Stiftung“ kommen jetzt weitere 175 Euro monatlich zu. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir helfen, die Summe für circa 10 Monate aufzubringen. Denn so lange wird es vermutlich dauern, bis Unu-Sana ihren Weg in ein neues, unbeschwertes Leben in Liebe, Sicherheit und Geborgenheit gehen kann.

Wenn Sie Unu-Sana helfen möchten, überweisen Sie bitte Ihre Spende mit dem Verwendungszweck „Suris Stiftung – UnuSana“ auf folgendes Konto:

Beate Rost, IBAN: DE73 1007 0024 0335 0147 00 / BIC: DEUTDEDBBER