Galgo-Rettung

Diejenigen von uns, die mit ihrer Arbeit und ihrem Einsatz in Ländern wie Spanien oder Rumänien für ein bisschen mehr Gnade kämpfen, werden oftmals kaum wahrgenommen und nicht selten im jeweiligen Land belächelt. Jeden Tag müssen wir dort erkennen, dass wir in unserer Arbeit zwei Schritte vor gehen und einen wieder zurück. Und das nicht zuletzt deshalb, weil ein Großteil der Politiker das Recht für die Tiere beugt und die Lobby derer stärkt, die Tiere für den eigenen Profit ausbeuten. So entsetzt beispielsweise das Schicksal der spanischen Galgos Tierschützer in ganz Europa. Der Widerstand gegen dieses unbegreifliche Elend gipfelte im Sommer 2013 darin, dass viele Tierschützer auf die Straße gingen und vor dem Europaparlament in Straßburg ihrem Unverständnis gegenüber der Tatenlosigkeit der spanischen Regierung Ausdruck verliehen. Dennoch wiederholt sich das Leid der Galgos Jahr für Jahr. Wie viele Galgos jedes Jahr in Spanien sterben müssen, weiß niemand genau. Die Zahl wird auf 50.000 geschätzt, es können aber auch mehr sein, denn die Gegenden, in denen spanische Jäger, die Galgueros, ihre Hunde gegeneinander antreten lassen, sind sehr abgelegen, sodass die Bevölkerung meist keine Notiz davon nimmt. 50.000! Eine Zahl, die mir meine Machtlosigkeit aufzeigt. Dennoch kann ich nicht wegsehen. Ich will zumindest auf das Leid der zigtausend spanischen Galgos aufmerksam machen und ich hoffe, einen guten Weg dafür gefunden zu haben:
Durch „Suris Stiftung“ möchte ich Einzelschicksale dieser in Spanien am meisten misshandelten Hunderasse aus einer Perrera in einer Madrider Provinz befreien, deren Leben bisher der Hölle auf Erden glich und deren Namen jetzt - zum Ende ihrer Zeit - auf der Tötungsliste der staatlichen Auffangstation stehen. Ihre Gesichter, ihre Namen und ihre Geschichten sollen stellvertretend für abertausende Galgos stehen, deren Leidensweg wir nicht kennen, die totgeschlagen, ertränkt, von Jägern angebunden und damit zum Verdursten verurteilt oder an Bäumen aufgehängt wurden.
Diese Hunde sind in der Regel sehr verstört. Sie haben nie zuvor in ihrem Leben Fürsorge erfahren. Es beginnt schon mit der Geburt. Sie werden in Massen nachgezüchtet, oft in schmutzigen Verschlägen. Sie wachsen in Rudeln auf und ihr späterer Wert definiert sich nur über ihre Leistung. Wer nichts leistet, ist unnütz und wird aussortiert. Geschwindigkeit, Ausdauer, Passion, das sind die Werte, die für einen Galguero zählen. Für ihn ist der Galgo Español nichts weiter als das Instrument seines blutigen Zeitvertreibs. Als solches wird er gepflegt. Wenn es allerdings „kaputtgeht“, wirft er es weg. Das gleiche gilt für Hunde, die ihr drittes oder viertes Lebensjahr überschritten haben. Spätestens dann lässt ihre Leistung naturgegeben nach. Jüngere sind jetzt schneller, schlagen bessere Haken, überholen ihre Gegner auf gerader Strecke. Im günstigsten Fall werden die Hunde, die wertlos und somit übrig sind, irgendwo im Niemandsland zurückgelassen. Viele werden auch erschossen oder in Brunnenschächte geworfen, wo sie elendig verenden. Fühlt sich der Galguero allerdings in seiner Ehre verletzt, weil sein Hund versagt und die gewünschte Leistung nicht erbracht hat, zahlt er es ihm heim. Den Perversitäten des Jägers sind dabei keine Grenzen gesetzt. Ein sadistisches Ritual, von dem man kaum glauben kann, dass sich so etwas tatsächlich noch im 21. Jahrhundert in einer hochentwickelten Industrienation der Europäischen Gemeinschaft abspielt, ist das barbarische Erhängen der Hunde. Mit einem Strick um den Hals hängt man die Hunde an einen Baum und lässt sie „Klavier spielen“. So nennen die Galgueros diese unbegreifliche Quälerei, da die verzweifelten Hunde mit den Zehenspitzen der Hinterpfoten gerade eben noch den Boden berühren können und in ihrer Todesangst mit den Hinterläufen schlagen, so wie ein Klavierspieler auf die Tasten seines Klaviers schlägt. Vor diesem unsagbaren Hintergrund erscheint einem das Abliefern der Galgos in den Perreras durchaus als der fortschrittlichere Weg. Aber auch hier geht der Leidensweg der Galgos oft noch lange weiter. Da die Perreras häufig von privaten Unternehmen geführt werden, ist das Betreiben eines Auffanglagers ein reines Geschäft, mit dem Ziel, so viel Gewinn wie möglich zu machen. Somit bedeutet jeder abgegebene Galgo für die Auffanglager zunächst nur bares Geld. Denn die Gemeinden zahlen im Durchschnitt für jeden aufgenommen Hund einen Festbetrag von circa 70 Euro, danach bekommt die Perrera 21 Tage lang je 10 Euro Futtergeld. Dann ist die Quelle versiegt und es lohnt sich für die Betreiber nicht mehr, die Hunde leben zu lassen. Also werden sie am 21. Tag getötet. Soweit der offizielle Weg der Galgos. Nicht selten aber werden die Hunde, die kein Geld mehr einbringen, an Menschen „verschachert“, die diese sanften Windhunde als lebende Trainingsobjekte für ihre zum Kampf ausgebildeten Hunde einsetzen. Ich habe Bilder von Galgos gesehen, die solche Kämpfe schwer verletzt überlebt haben. Ich werde sie nie in meinem Leben vergessen.


Auch Rufus stand auf einer solchen Liste. Am 6. November 2016 sollte er offiziell getötet werden. Ob man ihm eine tödliche Substanz in seine Vene gespritzt oder ihn für ein paar Euros in eine Kampfarena „geworfen“ hätte, weiß niemand. Denn Rufus wurde rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Er ist der erste Galgo, der durch „Suris Stiftung“ freigekauft und damit gerettet wurde. Er ist als erster den Weg gegangen, den hoffentlich noch viele Galgos nach ihm gehen werden. Den Weg in ein neues, unbeschwertes Leben in Liebe, Sicherheit und Geborgenheit.
Die über „Suris Stiftung“ in der Madrider Provinz freigekauften Galgos werden sich im Therapie-Haus „enKsa“, welches von Nuria Sanchez-Escribano und Marivi Mondolo mit ganzem Herzen betrieben wird, an das Leben in einem Haus gewöhnen und Vertrauen aufbauen. Sobald Marivi und Nuria ihnen dort die Basis für ein angstfreies Leben geschaffen haben, werde ich sie, gemeinsam mit meinem Tierschutzpartner Dirk Vinkemöller, nach Deutschland holen, wo sie bis zu ihrer Vermittlung in seinem Hundeschutzhof, der Podencorosa, Obhut finden werden. Wir sind uns bewusst, dass wir mit der Rettung einzelner Galgos an der Ursache dieses Elends nichts ändern werden. Allein das Verbot auf die Hatz, welches nur durch eine Gesetzesänderung der spanischen Regierung erlassen werden könnte, würde die massenhafte Vermehrung der Galgos und das damit verbundene Leid stoppen. Dennoch wollen wir nicht wegsehen und so tun, als ginge uns das alles nichts an.

Rufus ist der erste gerettete Galgo unserer Allianz der Hoffnung. Sein Gesicht, sein Name, seine Geschichte steht stellvertretend für abertausende Galgos, deren Leidensweg wir nicht kennen, die totgeschlagen, ertränkt, zum Verdursten angebunden oder an Bäumen aufgehängt wurden.

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Tierschutzfreunde, wir wissen, dass die Rettung dieser Hunde viel Geld kosten wird. Allein durch den Aufenthalt im „Therapie-Haus“ kommen auf „Suris Stiftung“ monatlich für jeden einzelnen Galgo weitere 145 Euro zu. In der Perrera werden wir die Übernahmegebühren von circa 60 Euro pro Hund bezahlen müssen. Hinzu kommen die Kosten für Kastrationen, Impfungen, tierärztliche Untersuchungen, sowie die Medikationen, die insbesondere im Fall einer Leishmaniose sehr teuer sein können. Und natürlich müssen wir zu guter Letzt die Reise der Hunde nach Deutschland finanzieren. Wenn Sie gemeinsam mit uns ein Zeichen setzen und sich unserer Allianz der Hoffnung anschließen wollen, dann helfen Sie uns mit einer Spende. Jeder einzelne Euro hilft, ein dem Tode geweihtes Leben zu retten!

Tierschutzkonto:
Beate Rost
IBAN: DE73 1007 0024 0335 0147 00
BIC: DEUTDEDBBER
Verwendungszweck „Galgo-Rettung“


Rufus ist im "enKsa" in Sicherheit