La Perrera

Perrera

von Nina Schöllhorn

180 Hunde. 180 Gesichter hinter Gittern. Jedes eine Persönlichkeit, mit einer Geschichte. Hier nur eine Nummer mit einem Datum, dem Todestag nach 21 Tagen. Die meisten reinrassig, viele noch jung. Dalmatiner, Retriever, Jack Russels, Setter, Pointer. Angeschafft aus einer Laune heraus, völlig unüberlegt. Nicht ahnend, welche Bedürfnisse diese Rasse oder überhaupt das Tier Hund hat. Spontankäufe aus Tierhandlungen oder von Märkten, waren sie doch so niedlich. Jetzt aber plötzlich viel zu groß geworden, oder zu laut, zu teuer. Jedenfalls gar nicht mehr süß, sondern einfach nur lästig. Abgeschoben, ohne Skrupel. Cocker Spaniel, einer nach dem anderen, waren bis vor Kurzem noch in Mode.

Sie scheinen den Ernst ihrer Lage zu spüren. Verzweifelt drängen sich Pfoten und Nasen durch die Gitter. Wissen Sie, dass es gilt Aufmerksamkeit zu erlangen, um diesem Schicksal zu entkommen?

Manche bellen aufgeregt, andere winseln leise, sich verzweifelt ans Gitter drängend. Andere fixieren dich mit starrem Blick. Wieder andere, sehr ängstlich, verstecken sich im Innenbereich und haben somit verloren. Wer nicht gesehen wird, hat keine Chance auf Adoption. Andere regungslos, stehen da, den Kopf an die Wand gedrückt. Was für ein Leben mögen sie geführt haben? Nur die kleinsten Welpen tollen unbekümmert miteinander, nicht ahnend in was für eine Welt geboren.

Alte Schäferhunde, große schwarze Hunde, Jagdhunde völlig heruntergekommen – sie alle ohne jede Chance. Eine Pitbull-Hündin mit gefährlich wirkendem Stachelhalsband. Ihr Blick ist jedoch weich und wissend. Sie scheint kaum zu atmen. Die alte Golden Retriever-Hündin, zur Gebärmaschine missbraucht, nun völlig ausgelaugt, mit hängendem Gesäuge, dreht sie sich im Kreis, nach jahrelanger Zwingerhaltung in Einsamkeit, die Welpen stets viel zu früh entrissen.

Familien schlendern durch die Gänge, die Blicke stets nur auf die Welpen gerichtet, sind sie doch so niedlich. Doch wie lange?

Manches Mal öffnet sich eine Tür, der Glückliche wird herausgezerrt. Dann jedoch, 12.30 Uhr, die Tore schließen. Für acht Hunde war heute der letzte Tag. Keine Interessenten, keine Adoption. Auch ihre Türen öffnen sich, doch sie haben einen anderen Weg vor sich. Einen ohne Wiederkehr.

Auch ich verlasse das Gelände. Mein Kopf ist leer und gleichzeitig voller Hundegesichter. Fühle mich verantwortlich für jeden von ihnen. Habe ich die Verantwortung zu tragen, die andere von sich weisen?

Fühle mich schuldig, schuldig, nicht einzugreifen in diese Maschinerie des Tötens. Doch ein Mensch alleine, angesichts eines Heeres an gedankenloser Egoisten? Machtlos?

Schäme mich, Teil dieser Menschheit zu sein. Noch Stunden, noch Tage später dröhnt das Gebell in meinem Kopf. Sehe ich die Augen vor mir. Für mich keine Nummern, sondern Lebewesen, einzigartig. Wer von ihnen ist noch am Leben?

Ich weiß es nicht. Gedanken, die zermürben und doch nichts zu ändern vermögen.


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